heute summst du mir und morgen kommt der regen.

ich gehe hinaus in den garten. die luft ist nun kühl. es ist nacht. hier, in der peripherie, hat sich das leben schon zu bett begeben. das hört man. ich stehe mitten in einem feld aus stille. nur aus der ferne, von südwesten her, summt etwas. es ist etwas großes, es ist die stadt. das nächtliche treiben der stadt, autos, menschen, musik. es ist die vorerst letzte laue nacht, morgen schon wird es kälter werden, und der regen wird sich in die luft stellen wie ein undurchdringbarer wald. auf allen oberlächen, die er berührt, ein geräusch. kein fernes summen wird es sein, sondern nah, ganz nah und deckend und allgegenwärtig. vielleicht ist regen deshalb so romantisch, weil es keinen ausweg aus ihm gibt. das summen der stadt schwillt an und ab, flackert in die atmosphäre, durch die distanz noch zusätzlich verzerrt. es ist, als wäre ich auf dem mond und würde radiowellen empfangen, von der erde. ein rauschen, in dem ein winzig kleiner teil von dir kommt. ich kann dich nicht lokalisieren. aber du bist dort irgendwo, dort, wo das summen herkommt, in dieser einen stadt, in diesem fernen bienenstock, ein katzensprung, die überquerung eines ozeans.

selbst in der luft bist du,
selbst noch als dunkles rauschen hast du mich und ich bin dein.
schallst beinah lautlos in mich ein.
und klingst mir wie das pure sehnen.

bitte lies mich nicht.

alles, was ich schreibe, löst sich auf, unter meinen fingern. 
alles, was ich halten möchte, strömt davon.
jedes wort – von hinten nach vorne gelesen, die buchstaben in ihren zwischenräumen durchschnitten, manches wirft man weg, den rest setzt man neu zusammen. und gedanken verhalten sich im grunde genauso, nichts bleibt, alles ist im wandel.
ich habe einen plan, ich werde meine koffer packen und den anker lichten.
denn ich bin eine insel und mich zieht es hinaus auf das meer, hinein in die blaue einsamkeit, für jeden vogel zu weit zu erreichen, nur vom wind gebeugt und geschaukelt, mit dem röhren der see, mit dem knirschen des sandes, mit dem wind und den wolken. 

the magic, that we’re trying to avoid.


this is a song about a man.
i thought, i couldnt write it, but i can.

in der liebe bin ich wie ein stein. einmal aus dem gleichgewicht gebracht, falle ich schnell,   denn ich bin schwer. der aufprall ist hart. wenn es mich stark erwärmt, kühle ich langsam ab, strahle die wärme verschwenderisch von mir, als würde ich niemals mehr erkalten können. manchmal ist es so heiß, da schmelze ich, breche hervor, fließe ins meer und forme neues land.

your love is dirty water on which i float,
just like a stone.

traumerinnerungs-restfetzen 6


und wieder das meer, mein seelenverwandter. grün und tosend, schäumend, laut, gefährlich. eine schnell heranrollende flut. riesige wellen, die auf dem horizont auftauchen und schon im nächsten augenblick auf den sandstrand aufschlagen, spritzend brechen, nach mir greifen, den sand unter meinen füßen wegschwemmend mich zu fall bringen, mich erfassen und zu sich ziehen, mich verschlucken, verschlingen, einnehmen, sich meinen körper einverleiben und meine seele rülpsend ausspucken.

es wird nacht. in der bucht, die bis in die altstadt reicht, ist das meer ruhig, wie ein friedhof. unter der wasseroberfläche liegen große trümmerteile einer antiken steinmauer. arkadenbögen  sind zu erkennen, alles ist dunkelblau, die trümmer liegen still, wie in blaues aspik gegossen. die dunkelheit bricht herein, einige wenige laternen gehen an, geben ein schwaches, gelbliches licht von sich. in einem innenhof bellt ein hund. es liegt etwas gespenstisches in der luft. ich erkenne nicht, ob es aus der bucht kommt, von den versenkten trümmern herauf, von den ertrunkenen seelen, von den unter den steinen eingeklemmten, längst schon skellettierten körpern, oder ob es etwas ist, das mich beobachtet, wie ich da am pier stehe und in das wasser blicke. ob mich jemand aus einem der umliegenden häuser heraus ansieht, im schutze der dunkelheit, und ich bemerke nur diesen leisen hauch von misstrauen und feindseligkeit, der meine haut trifft, denn ich bin eine unerkannte fremde in dieser stadt. etwas gespenstisches, gleich so, als wäre der jenige, der mich beobachtet, gar kein mensch. vielleicht ein schwarzer vogel, der einst ein mensch war. oder ein unsichtbarer geist.

man hat eine smaragdader entdeckt, die mitten in der altstadt im fels verläuft, unter den einstigen stadtmauern. man trägt die uralten mauerreste ab, gräbt tiefe löcher in die erde und schlägt risse und schluchten in den fels, auf dem die stadt steht. bei ebbe steigen menschen hinab, mit haken und spaten bewaffnet. sie füllen weidenkörbe mit felsbrocken, die grau sind, in denen hier und da ein leichter grüner schimmer aufblitzt. sobald die flut kommt, klettern sie wieder hinauf, bringen sich in sicherheit, denn die flut ist unbarmherzig, sie flutet die löcher und gräben, sie kommt wie aus dem nichts, als würde sie vor den toren der gezeiten lauern und ihre zähne schleifen, am schroffen fels. die flut kommt schnell, zwängt sich hinein in den schmalsten gang, greift sich die seelen derer, die vor lauter gier nicht aufhören können, smaragde zu hacken. sie reißt ihre sicherungsseile nieder, sie spült sie von ihrem posten, sie zwingt sie in die tiefe und zermalmt krachend ihre knochen. die flut, die grüne flut des grünen meeres.

das smaragdmeer.
manchmal spült es eine tiefgrüne, lupenreine träne an den strand, die nur von einem kind gefunden werden kann.

ach, und außerdem..


ich komme zurück in die wohnung und finde eine ameise auf dem esstisch. aus der einen ameise werden schon bald drei, fünf, sieben, oje, wo kommen die denn alle her? ein blick in den zucker: nein, der zucker ist unberührt, keine ameise. auf dem esstisch liegen zur zeit  allerhand dinge. notizzettel, zeitschriften, klebebänder, scheren, blisterpackungen diverser pillen, fernbedienungen, glückskekse, ein maßband, eine festplatte, eine packung saft, ein paar gläser, bodylotion.. sogar eine konfektschachtel im format A3. ich hatte jetzt echt kurz angst, den deckel der konfektschachten zu lüften, weil mir da möglicherweise ein ganzer schwall an ameisen entgegengeprasselt wäre und mich halbert aufgegessen, auf den verdacht hin, ich wäre auch eine praline.. aber nein, keine einzige ameise in der gesamten schachtel.
es ist mir ein rätsel. ameisen sind ja bekanntlich nicht doof, also frage ich mich nun: was wollten die viecher auf meinem esstisch? vielleicht hätte ich sie fragen sollen und sie nicht einfach nur töten. okay, wenn ich noch eine finde, nehme ich sie gefangen und verhöre sie.

ach, und außerdem habe ich seit einiger zeit eine wunde auf der innenseite des unterarmes, die einfach nicht zuheilen will. es ist eine stelle, an der viel bewegung stattfindet, wenn man den unterarm um die eigene achse dreht, oder das handgelenk kreisen lässt. die wunde ist etwa so groß wie ein fünfschillingstück. ich beobachte sie, weil die lage sehr günstig für beobachtungen ist, und weil ich gerne dinge an mir beobachte, die sich merkwürdig verhalten. nun fängt diese wunde an, in mitten ihrer fleischfläche eine wucherung zu bilden. das nennt sich übrigens ‘wildes fleisch’ – ich weiß, sehr ekelig, aber es kommt noch besser. ich habe nämlich die vermutung, dass mein körper – der übrigens einen reichlich schrägen sinn für humor hat -,… also mein witziger körper versucht an dieser stelle eine zweite hand rauswachsen zu lassen. ich habe nämlich so kleine hände und so kurze finger und mein körper ist manchmal sehr ungeduldig und auch gierig, zum beispiel wenn es darum geht, essen zu fassen. die zweite hand, gleich neben einer bestehenden hand, könnte mir einen gewaltigen vorteil bringen, denn es wäre dann so etwas wie eine baggerschaufel-zugreifkralle. ich könnte womöglich sogar mit einer hand, also, mit zwei händen, aber an einem arm, also mit einem arm, obwohl nein, das kligt komisch, aber was ich mir vorstelle: mit rechts jemanden am kragen packen und ihn festhalten, während man die linke in sein gesicht bohrt. ja gut, ist ja nur ein beispiel, jetzt.
so, nun habe ich aber den plan meines körpers durchschaut und der bekommt das natürlich mit und es ist spannend, was als nächstes passiert.

vielleicht wuchert er mir stattdessen ein paar flügel, hinten beim rücken, so etwa aus den schulterblättern raus. da kann ich nämlich nicht hinsehen. ach, das wäre wirklich schön. da tue ich dann auch ganz überrascht, versprochen.

katzen-zen


wenn ich mal nicht einschlafen kann, hab ich eine guten trick: den gedanken zuhören. das ist meist echt lustig, weil das gehirn einem unzusammenhängende worte entgegenspuckt, manchmal gibts kurze musikstücke. man muss aber ganz still und entspannt sein und darf nicht innerlich lachen oder mitsingen oder in irgendeiner art den gedanken anfassen, sonst entwickelt sich ein hirnwichs und mit einschlafen ist nicht. simon sagte mir mal, dass das eine technik ist, die er vom zen-kurs kennt, damit macht man sich vom rumhirnen frei. ‘wie ist das so, dieses zen-zeugs?’, hab ich dann gefragt, und simon sagte: ‘da sitzt man auf einem meditationspolster im scheidersitz und versucht, an nichts zu denken. es hilft, wenn man vor einer wand sitzt und die wand anstarrt.’ das hat meine romantische vorstellung vom zen-mönch ein bissi entzaubert. jetzt muss ich oft an eine katze denken, wenn ich an zen denken soll, eine katze auf einem fensterbrett, oder eine, die in einem leeren karton schläft.

random thoughts 3


ich grabe in einem alten blog eines typen, den ich kenne. das heißt also, ich lese ganz nach hinten bei den einträgen, momentan bin ich im jahr 2006. graben ist so ein passendes wort dafür, ich fühle mich dann ein bisschen wie ein schrulliger, alter, weißhaariger archäologe, mit schnurrbat, der zwischendurch sowas wie ‘fas zi nie rend!’ ausruft. bewaffnet mit einem pinselchen zum abstauben von schädeln und anderen knochenstücken. lege also schon seit tagen (nächten) chronologisch die lebenserlebnisse und den ganzen dazugehörigen kram an gedanken und gefühlen dieses typen frei, und ich muss gestehen, es gefällt mir alles ausnehmend gut. das ist nun natürlich nicht besonders klug, weil das so ist, wie wenn die menschen in den sternenhimmel schauen und sagen: ooh wie wunderschön das ist. aber in wahrheit sehen sie in die vergangenheit hinein, auf das licht längst erloschener sterne, und auch die position der ganzen lichter, der materie und antimaterie ist mittlerweile, also, in der echtzeit der jeweiligen position, palaver palaver, kurz: das was man da so geil findet, das gibt es gar nicht mehr. dieser vergleich wird dadurch dann noch zusätzlich untermauert, dass die letzten einträge in dem blog von, keine ahnung, 2008 sind.
aber das hilft ja dann doch alles nix, ich kenn mich ja. ich find den dann trotzdem immer noch voll super. allein schon, weil die auswahl immer kleiner wird. ja. es gibt entweder immer weniger sterne, oder aber, man wird mit dem alter einfach blind und erkennt nur mehr die richtig großen als solche. beides irgendwie traurig.

und: mein hund ist gerade über das herumliegende schweineohr gestolpert. das ist irgendwie witzig,
aber auch irgendwie traurig. mein altes, schrulliges fellmädchen.

japan und ich.


das ist eine besonders schwierige liebe.
meine augen sind noch nass vom weinen. ich habe mich hingesetzt, um den flug zu buchen. ich habe ein passendes datum gefunden und ein schönes angebot. ein direktflug, VIE – NRT. mir dämmerte plötzlich, dass die ausgesuchten zwei wochen direkt in die osterferien fallen würden und ich wurde stutzig. ich hasse aus allen nähten vor brüllenden kindern und genervten eltern platzende flughäfen, also beschloss ich, zu recherchieren, ob eine flut von ostertouristen zeitgleich mit mir in tokyo einfallen würde, doch ich fand keine schlüssigen antworten. es schien nun sogar klüger, sich genau diesen zeitraum auszusuchen, da sich vielleicht doch noch jemand anschließen wollen würde, und dann, mit der urlaubsplanung, mit dem studium, und so weiter. so kramte ich endlich meine kreditkarte hervor, atmete tief ein und aus und aktualisierte die seite.
das günstige nonstop-angebot war weg.

ich füllte die suchmaske von neuem aus.
das angebot war weg.
ich hatte es innerhalb einer stunde verloren. innerhalb einer stunde, in der ich sinnloses zeug recherchiert habe. es war weg. es ist weg. wie ich es drehe und wende. ich habe zu lange gezögert. es ist vorbei.

heute am abend noch ging ich zu dem reisebüro, bei dem ich mich letztes jahr schon über die reiserouten erkundingt hatte. der wunsch, nach japan zu reisen, ist alt. letztes jahr also hatte ich das geld aufgetrieben und war kurz davor, zu buchen. und dann war plötzlich dieses erdbeben. ja und die ganze sache mit fukushima.
heute ist ein guter tag, schien mir. es ist warm, es ist richtig, losloslos, ..ich ging also zu diesem reisebüro. erst dachte ich, ich wäre in die falsche gasse eingebogen, aber nach eingehender orientierung fand ich mich am richtigen ort. das reisebüro gibt es nicht mehr. in den räumlichkeiten befindet sich ein delikatessengeschäft und eine espressobar. hm.

jetzt, wo ich langsam wieder die fassung zurückerlange, frag ich mich: soll es vielleicht nicht sein? will mir das universum mit dem ganzen arsenal an steinen im weg und ästen zwischen den wagenrädern irgendwas mitteilen? soll ich da nicht hin? und wenn dem so sein sollte, warum ist es auf so eine fiese, hinterhältige und zynische art grausam zu mir?

ach, es gäbe sogar noch günstige flüge. mit einem zwischenstop in moskau. mit aeroflot.
.. ja, das ist die fluglinie, mit der ich mal fast draufgegangen bin. komisch, nicht?

traumerinnerungs-restfetzen 5


die zeit wurde angehalten, bis zum 21sten september. dunkelheit, nur feuer in der ferne, ein wohnwagen. der erste war erstarrt, genauso wie sein feind, bis die zeit weiterlief, dann würde der kampf weitergehen. ich, die dritte, war nicht erstarrt. ich überlegte, was zu tun, um meinem freund einen vorteil zu verschaffen. es ging um leben und tod. er war im kampf schwer verwundet, er hatte keine haut mehr, kaum noch fleisch auf den knochen. plötzlich erschienen aus dem nichts zwei gestalten, sie tauchten einfach auf, wie geister. es waren nummer zwei und nummer vier. wir trugen den in der zeit gefangenen, steifen körper des ersten in den wohnwagen hinein, konnten die tür gerade noch rechtzeitig schließen, bevor der 21ste september anbrach und der feind und der wütende mob, der uns jagte, aus der erstarrung erwachte. sie pochten an die tür. im inneren waren wir vier, mehr tot als lebendig, beinahe skelette, ohne kräfte. es war klar, dass sie uns ohne mühe niedermetzeln würden, würden wir nicht unsere ursprüngliche gestalt annehmen können, aber dazu musste nummer eins endlich aufwachen, was nicht passierte. es wurde immer lauter, sie würden jeden moment die tür aufbrechen. ich klopfte mit meinen knochenfingern an den leblosen schädel von nummer eins. er kam zu sich, er sah mich an, resigniert, er wollte es nicht tun, er sah keinen sinn mehr in dem kampf. ‘für die liebe’, sagte ich zu ihm, nahm seinen schädel hoch, strich ihm zärtlich über die blanken wangenknochen, küsste ihn. ‘okay’, sagte er, tippte mit dem zeigefinger an meine stirn und sprach: ‘jedi.’ das gleiche tat er mit den anderen und auch er selbst verwandelte sich in gleißendem licht. wir brachen die tür des wohnwagens von innen auf, indem einer von uns einfach dagegentrat, wir stiegen hinaus, der wütende mob war wie gelähmt vor erstaunen. es wurde hell. keiner traute sich, eine waffe gegen uns zu erheben und uns anzugreifen, denn wir waren unbesiegbar. wir trugen weißes gewand, ich hatte lange grüne haare und eine unheimliche kraft. meine waffe war ein mannshoher bogen, mit dem ich pfeile schoss. wir sprangen beinahe schwerelos über laternenpfähle, über hausdächer, immer in richtung meer. es war nun heller tag. als wir an der küste angelangt waren, erhoben wir uns in die lüfte und flogen auf den offenen ozean hinaus.

dann wachte ich auf.